Reiseblog 7 – High Society oder das andere Afrika

// 26. August 2013 // Allgemein, Reiseblog 2013

Wenn man von Afrika spricht stellt man sich Lehmhütten, Armut und Not vor. Doch daneben gibt es auch noch eine andere Gesellschaft, die High Society, die mich auf eine Hochzeit einlud, genauer gesagt eine Doppelhochzeit. Da ich im Flugzeug ebenfalls eine Einladung zu einer Hochzeit bekam hatte ich das Glück, zwei Hochzeiten an einem Tag besuchen zu können. Und das war gar nicht so einfach. Uleda und Joade hatten sich in der Wolle, denn Joade hatte Uleda gebeten, mir das mitzuteilen, doch Uleda hatte das vergessen. Jetzt wurde hin und her geplant. Zum Glück war die eine Hochzeit um 10 Uhr in der Kirche der CBCA Kimeme und die andere um 12:15 Uhr in der katholischen Kathedrale. Das müsste hinkommen, hoffte ich.

Also machten wir uns auf den Weg und kamen auch kurz vor 10 Uhr an der Kirche an. Ich baute meine Kamera auf, so dass ich einen guten Blick hatte. Diese steuerte ich per Wlan mit meinem Handy. die andere Kamera hatte ich in der Hand, Tatsächlich filmte ich wesentlich weniger als ich dachte, denn es waren noch ca vier weitere Kameraleute da und etliche machten auch noch privat Fotos.

Tatsächlich ging die Hochzeit um 10 Uhr los, mit zwei Chören, die so lange sangen, bis die Bräute eintrafen. So konnte ich eine halbe Stunde afrikanische Musik genießen. Ich meine wirklich genießen, denn die Chöre waren wirklich gut. Auch sonst gaben sich die Chöre viel Mühe, besonders wenn sie sahen, dass sie gefilmt wurden.

Ganz nach amerikanischem Stil stellten sich die beiden Bräutigame vorne hin und warteten bis ihre Bräute die langsam von hinten durch die Kirche – ja, mir fehlt das Wort dafür. Schreiten ist bei einer Schrittlänge von 1-2 cm wohl nicht das richtige Wort. Es dauerte wohl eine Viertelstunde, bis sie vorne waren. Kein Wunder, dass sowohl Bräute als auch Bräutigam sehr ernste Minen hatten.

Endlich waren sie da und der Pastor hielt eine lange Einleitung über den Segen der Ehe und den Aufgaben von Mann und Frau. Dann wurden zwei Chöre angekündigt: Ein Chor der Gemeinde und der Chor Shuls, das war ich mit meinen Begleiterinnen. Wir sangen Moto – Feuer und Flamme für Jesus, mit einigen Änderungen. Mir war wichtig geworden für dieses Land zu singen: Wach auf aus der Dunkelheit. Fange neu an zu lieben. Friede aus Jesus regiere dieses Land. Ich war überrascht über die Reaktion und die Zustimmung an dieser Stelle. Sie war viel größer als im Frühjahr, als wir das selbe Lied sangen. Ja, die Menschen wünschen sich hier Frieden und ordentliche Verhältnisse.

Nach der Predigt eines anderen Pastors über den Segen der Ehe und den Aufgaben von Mann und Frau begann endlich die eigentliche Trauung. Diese nahm ein dritter Pastor vor. Wie gesagt, eine Trauung in der High Society. Die Brautkleider werden sicher ein bis zweittausend Dollar gekostet haben. Möglicherweise noch mehr. Da bin ich nicht so auf dem laufenden. Ein ähnliches Kleid in Deutschland wird wohl noch teurer kommen.

Doch zuerst kam noch eine Ansprache über den Segen der Ehe und den Aufgaben von Mann und Frau, bevor das Paar zusammengebracht wurde. Leider war inzwischen schon nach 12 Uhr und wir mussten aufbrechen zur nächsten Trauung.

Ich packte meine Kameras ein und ging voraus. Uleda, Joade und Julienne folgten. Der Chauffeur war auch schnell gefunden und wir schickten ihn, den Wagen zu holen. Doch er kam zu Fuss zurück. Wir haben ein kleines Problem! Ein Auto in der zweiten Reihe blockierte ihn. Zum Glück waren die Autos in der dritten Reihe mit mehr Abstand geparkt. Er hatte auf der Straße parken müssen, weil im weitläufigen Kirchengelände kein Platz mehr war. Hier parkten die Autos der Famiienmitglieder.

Nach 10 Minuten, als sich ein anderer anbot, uns zur Kathedrale zu fahren, hatte man auch den Chauffeur des blockierenden Autos gefunden und die beiden diskutierten eine Zeitlang über den Fall. Ich meinte nur zu meinen Begleiterinnen: Nicht reden, einfach weg. Naja, mit einiger Verspätung trafen wir dann in der Kathedrale an. Eine afrikanische katholische Hochzeit, das kannte ich noch nicht. Die Musik war anders, ein sehr großer Kinderchor sang Choräle, aber afrikansche Choräle. Zwei Tanzgruppen aus je vier Mädchen tanzten dazu, mit einer nicht ganz einfachen Choreographie.

Wir wurden in eine freie Bank geleitet, ganz vorne. Wie ich später feststellte saß dort vorher die Tanzgruppe, die nach ihrem Einsatz plötzlich verwirrt vor uns stand und sich dann auf die Bank vor dem Chor quetschen musste.

Die Predigt über den Segen der Ehe und den Aufgaben von Mann und Frau war kürzer und es gab auch nur eine. Aber die Liturgie war beindruckend. Zuerst kam die Taufe der Nichte der Braut, dann die Firmung der Braut, die protestantisch getauft wurde, was der Priester aber ausdrücklich als gültig erklärte. Doch so einen kleinen Seitenhieb konnte er sich nicht verkneifen. Die Protestanten taufen mit viel Wasser, wir nehmen nur wenig, weil man das Wasser nur einmal verwenden kann. Deshalb wurde der Plastikeimer mit dem Taufwasser auch danach weggebracht.

Nach der Trauung wurde dann eine Brautmesse gefeiert, wobei die Brautleute die Hostie und den Wein vom Tabernakel zum Altar trugen und dann auch von hinten an den Altar tragen um Hostie und Wein zu empfangen.

Wir verabschiedeten uns danach von dem Brautpaar, denn wir kehrten zu der anderen Hochzeit im Hotel Kikyo zurück. Doch vorher brachen wir Julienne und eine Begleiterin zum Hotel Auberge. „Du kannst die Einladung nicht verfallen lassen. Man bezahlt pro Platz 10 Dollar und es wäre schade um das Essen. Naja, ich hoffe Julienne hatte einen großen Plastikbeutel dabei für ihr Essen.

Doch auf dem Weg zum Hotel liegt eine einspurige Brücke. Gerade als wir dort ankamen fuhr das erste Auto des Autokorsos hinüber. Für mich eine Gelegenheit zu filmen. Es werden bestimmt 50 Autos gewesen sein, die dort den Korso bildeten. Doch es sollte noch besser kommen.

Als wir in Kikyo ankamen standen dort am Eingang schon allein 50 Motorräder und überall parkten Autos. Nachdem wir erst einmal eine Toilette besucht hatten führte uns Joade an der langen Schlange der wartenden Gäste vorbei, bis wir nach ca 200 m am Eingang ankamen. Dort begrüßte sie einen aus der Familie und dieser geleitete uns direkt zum Eingang unter lautem Protest des dort Verantwortlichen: „Anstellen, anstellen!“ „Nein, Priorität!“, war die Antwort und dann waren wir auch schon durch und wurden zum Tisch A3 geleitet, direkt am Podium mit den Hochzeitspaaren.

Ich fiel natürlich allen auf. Nicht weil ich der einzige Weiße war, sondern weil alle mit Anzug erschienen waren. Die Hochzeitsfamilien natürlich mit neuen, maßgeschneiderten Anzügen und das nicht vom Straßenschneider. Ich dagegen hatte mein buntes CBCA-Hemd an und kam mir teilweise wie ein Papagei vor. Aber zumindest die Damen trugen ähnliche Farben.

Ein großes Büffet wartete auf die hungrigen Gäste und es wartete lange. Die Familie wurde nach und nach aufgerufen, betrat die Festwiese und ging, bzw. machte diese 5cm Schritte, etwas weiter als die Bräute, bis sie an der Ehrentribüne angekommen waren. Dort stellten sie sich hin, bis endlich die Brautpaare kamen. Diese hatten wohl schon genug vom warten und bewegten sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit über den roten Teppich. Sie kamen einem langsamen Fußgänger schon ziemlich nahe. Aber sie hatten auch einen etwas anderen Weg. Statt direkt zur Ehrentribüne abzubiegen gingen sie erst geradeaus um sich allen Anwesenden zu zeigen und dann ein Podium in der Mitte zu besteigen. Hier betete dann der Superintendent des Kirchenkreises für die Paare, dann kamen verschiedene andere Glückwünsche und dann durften die Geschenke gebracht werden. Dies betraf aber zum Glück nur einen kleinen Teil der 3000 geladenen Gäste. Nur die Familienmitglieder waren verpflichtet etwas zu geben.

Endlich konnte sich das Paar zur Ehrentribüne begeben und ich kehrte an meinen Tisch zurück in Erwartung des Essens und weil der Akku der Kamera leer war. Doch weit gefehlt.

Das Paar stellte sich nun vorne auf der Tribüne auf und nacheinander wurden die Brauteltern, Bräutigameltern, Geschwister und verschiedene wichtige Leute auf die Bühne gerufen, so an zwanzigster Stelle dann überraschend auch ich. Zuerst stand ich neben der Braut und Uleda neben dem Bräutigam, damit die Fotografen Bilder machen konnten. Dann überreichte mir die Braut einen Kuchen und der Bräutigam Uleda ein halbes Hühnchen. Bereits gebraten natürlich und natürlich auch kalt. Ich dankte und lächelte die Braut an und sie lächelte sogar zurück! Ich hoffe nur, dass ich da keinen Fauxpas begangen habe, aber wenn, ist auch nicht schlimm. Ich kann mir das leisten.

„Interessant!“, dachte ich. „Auf diese Weise werden also an die Tische Kuchen und Hähnchen verteilt.“ Doch weit gefehtl. Eine Frau kam mit zwei Plastiktüten und Uleda und Joade fingen an, die Sachen einzupacken. „Das ist der Proviant für den Rückweg!“, meinte Joade. „Das nimmst du mit nach Hause. Ja, so ist Afrika!“

Nachdem zum Schluss die restlichen Familienmitglieder mit kleineren Geschenken versehen wurden, und das auch nicht einzeln sondern in größeren Gruppen, wurde endlich das Buffet eröffnet und wir waren so mit bei den ersten, die an das Büffet treten konnten. Doch plötzlich war das Entsetzen groß: „Wir haben ja gar kein Besteck für den Musungu! Wie soll der denn essen?“ Ich versicherte mehrmals, dass das kein Problem sei ich könnte auch mit den Fingern essen, doch das schien mir niemand so richtig zu glauben. Erst als ich anfing, legte sich die Aufregung. Ich machte mir den Spaß aus einem langen Rippenknochen und einem Teil des Schaschlikspießes zwei Essstäbchen zu improvisieren, was zu interessanten Kommentaren führte. Ich weiß nicht, was die anderen Gäste an unserem Tisch sich so dachten. Wahrscheinlich so wie Asterix über die Römer.

Verschiedene Leute kamen dann noch auf mich zu um mich zu begrüßen, so Mbasa, der Vater des Kirchenpräsidenten und Kamungele, einer der reichsten Händler hier. Du musst mich unbedingt noch besuchen meinte er und das werde ich auch. Ebenso Aniset, einem Spielkameraden von meinem Sohn David, der mir 40 Liter Benzin geschenkt hat, um Besuche zu machen. Sein kleiner Bruder war einer der beiden, die geheiratet hatten.

Uleda meinte, so eine Hochzeit würde bestimmt 20.000 $ gekostet haben, doch bei 10$ pro Gast kommt man schon auf 30.000 $ nur für die Gäste! Kommen noch die Geschenke an die Gäste, Kleidung und verschiedenes anderes, so dass man wohl von 20.000 pro Familie ausgehen kann, wenn nicht noch mehr.

Auf jeden Fall waren wir dann spät abends endlich wieder in Katwa und ich brauchte mich über den Kuchen nicht so viele Gedanken machen. Uleda und Julienne hatten sich bereits jeder ein Viertel davon abgeschnitten. „Natürlich mit deiner Erlaubnis!“, meinten sie. Meinen halbherzigen Protest überhörten sie geflissentlich. „Schau mal, wir haben dir die Hälfte dagelassen.“ Das war auch so ok. Ich habe morgens davon gegessen und dieser Kuchen ist extrem süß und zuckrig.

Das reichte mir erst einmal. Jetzt wird der Blog fertiggemacht und ins Handy geladen, damit er rausgeht, sobald mal wieder Internet vorhanden ist, also vermutlich so um 3 Uhr nachts.

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